Herzlich Willkommen auf den Seiten von unseren Hunde - Oldies
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Rocky´s Lebenslauf  (15.08.1982 - 27.02.2004)

Es war im August und sehr warm.
Die Leute vom Tierheim holten eine graue Mittel-Schnauzer-Hündin hochtragend bei Leuten ab, die sich nicht um sie kümmerten. Sie holten auch einen Jagdhundrüden aus der gleichen Wohnung. Beide Tiere waren unterernährt, fast ausgetrocknet und völlig verwahrlost. Die beiden Hunde wurden zuerst getränkt, gefüttert und etwas gereinigt. Die Hündin war kurz vor der Geburt ihrer Jungen. Ihre Chancen standen sehr, sehr schlecht. Der Rüde war in nur wenig besserer Verfassung, aber seine Chancen standen besser, wieder zu Kraft zu kommen, sich von seinem schlechten Leben zu erholen. Drei Nächte später, am 15.08.1982, warf die Schnauzerdame 4 Welpen. Man päppelte die Hündin solange es ging, doch als die Kleinen 7 Wochen alt waren, musste man die Hündin erlösen, es ging nicht mehr. Die Welpen wurden von den Tierheimleuten versorgt, man konnte zusehen wie sie zu fröhlichen Hunden heran wuchsen.


Als sie 16 Wochen alt waren, kamen sie in die Vermittlung. Drei von ihnen fanden schnell gute Plätze, nur einer blieb übrig. Bandit! Bandit war grau und schwarz gezeichnet, mit braunen Augenbrauen und Pfoten. Ein hübscher, quirliger, verspielter Hund, doch es dauerte lange bis ihn jemand mitnahm, ein Zuhause gab. Zuerst war alles gut, man beschäftigte sich mit Bandit. Man ging mit ihm in den Wäldern und Wiesen spazieren. Bandit lernte in der Wohnung sauber zu sein und wie alle jungen Hunde zerknabberte er auch mal etwas. Am Anfang lachten die Leute noch, wenn
der drollige Kleine den Teppich zwischen den spitzen Zähnchen hatte und daran kaute. Später, als er ein Sofakissen zerfledderte, bekam er mit der Zeitung eins aufs Hinterteil. Für jedes Mal ein bisschen fester und immer mehr. Bandit verstand es nicht, bekam Angst vor der Zeitung und zog sich ins hinterste Eck zurück. Er wollte doch nur spielen, wollte doch nur Beschäftigung. Dann kam der Tag an dem Bandit zum erstenmal 4 Stunden allein zuhause war. Dem kleinen Hund war langweilig und er strolchte die Wohnung. Neben der Wohnungstür fand er ein paar Schuhe, er begann damit zu spielen. Es machte Spaß auf den Lederriemen der Sandalen herum zukauen. Es machte auch Spaß den Schuh ins Wonhzimmer zu tragen und damit aufs Sofa zu hopsen. Dort bekam er einen Zipfel von einem Kissen zwischen die Zähnchen, er knabberte daran herum. Als er das Kissen voller Freude zerlegt hatte, schwebten überall Federn herum. Er jagte die Federn, bellte sie an, flitzte darin herum, fröhlich, ausgelassen und unbeschwert. Als Frauchen nach Hause kam, freute sich Bandit und sprang an ihr hoch. Leise freudige Quitschtöne begleiteten seine Freude. Doch Frauchen sah nur die zerkauten Schuhe, die Federn im Wohnzimmer und sie holte die Zeitung. Bandit verkroch sich in eine Ecke, es nutzte ihm nichts. Nach 4 Wochen wußte er bereits, daß es weh tut, wenn ihn jemand mit der Zeitung schlug. Er wußte aber nicht, warum er geschlagen wurde. Das er ein Kissen zerlegt und Schuhe zerkaut hatte, hatte er längst vergessen, als Frauchen nach Hause kam.

Bandit war ca. ein dreiviertel Jahr alt, als er bei einer Kontrolle vom Tierheim wieder mitgenommen wurde. Ein Häufchen zitterndes Elend saß in der Ecke und traute sich nicht hervor, als es klingelte. Die Mitarbeiter nahmen den jungen, verängstigten Hund wieder mit. In mühevoller, wochenlanger Kleinarbeit schafften sie es, Bandit etwas Vertrauen in den Menschen zurück zu geben.

Bandit wurde erneut vermittelt. An ein Ehepaar mit zwei Kindern, die Haus und Garten hatten. Die Frau ging nicht arbeiten. Eigentlich ein perfektes, neues, Heim für den inzwischen etwas über 1 Jahr alten Hund. Bandit mochte die Kinder, er spielte mit ihnen. Er mochte auch sein Frauchen, lief oft mit ihr zum Bäcker, erledigte mit ihr die Einkäufe, lief mit ihr an die Schule um die Kinder abzuholen. Bandit war überall mit dabei. Eines Tages spielten die Kinder mit Freunden im Garten und Bandit war, wie immer, mittendrin. Ein Kind nahm ihm den Ball ab und warf ihn, Bandit flitzte hinterher, brachte den Ball zurück. Wieder und wieder warf das Kind den Ball und Bandit brachte ihn immer wieder zurück. Dann wollte er den Ball einmal nicht hergeben, hielt ihn fest. Übermütig lief er um das Kind herum und foppte es, indem er wartete bis es nah genug heran war und sprang wieder zur Seite. Das Kind wurde wütend, weil es Bandit nicht erwischen konnte. So wütend das es zutrat. Bandit jaulte auf, lies den Ball fallen und floh ins Haus. Als das Kind später ins Haus kam, knurrte Bandit unter der Eckbank. Leise, aber drohend. Als später der Hausherr nach Hause kam und seine Hand nach Bandit ausstreckte, knurrte er ebenfalls leise. Bandit bekam für sein Knurren Schläge mit der Leine. Der Hund wurde völlig panisch und zog sich in die hinterste Ecke unter der Eckbank zurück und traute sich stundenlang nicht mehr hervor. Als es Abendessen gab und alle am Tisch saßen, lag Bandit immer noch unter der Eckbank. Niemand kümmerte sich um den völlig verängstigten Hund. Am nächsten Morgen brachte die Frau die Kinder zur Schule und hatte Bandit wie immer an der Leine. Bandit ging zögernd mit, die vielen Kinder im Schulhof machten ihm Angst, nachdem er von einem Kind getreten worden war. Mit hängenden Schlappohren und eingezogenem Schwänzchen trottete er neben Frauchen her. Als das Kind, dass nach ihm getreten hatte, an diesem Morgen nach ihm griff, brummte er erneut und zeigte seine wunderschönen, weißen, Zähne. Frauchen haute ihn daraufhin mit der Leine auf die Schnauze und Bandit war sofort still. Vorfälle dieser Art häuften sich und es war sehr häufig, daß Herrchen den Hund strafte, wenn er nach Hause kam und von Bandits Grollen nach den Kindern hörte.

Inzwischen war Bandit etwas über zwei Jahre alt. Gelernt hatte er nichts, nichts was ein Hund in seiner Größe brauchte, um innerhalb einer Familie gut zu leben. Gelernt hatte er nur, Zeitung tut weh, Füße tun weh, Kinder tun weh, Herrchen / Frauchen tun ihm weh und seine geliebte Leine tat nun auch weh. Als Bandit begann alle Kinder und Männer nur noch anzuknurren und sich fast nur noch unter der Eckbank aufzuhalten, brachte die Familie ihn zurück ins Tierheim. Wieder dauerte es Monate um Bandit einigermaßen zu zeigen, es passierte ihm nichts, nicht jeder meint es böse mit ihm. Wieder wurde sehr behutsam mit dem mittelgroßen Hund umgegangen, wieder viel Zeit und Geduld investiert, wieder schaffte man es Bandit etwas Vertrauen zu geben.

Doch Bandit war inzwischen ein erwachsener Hund, der durch seine Erfahrungen nicht mehr ganz einfach an jeden hätte vermittelt werden können... ein inzwischen fast 3 jähriger Rüde, der nicht gelernt hatte allein zu bleiben, der Kinder nicht mehr mochte, vor Männern die Flucht ergriff und Autofahren kaum kannte.

So oder zumindest so ähnlich war Bandits Leben bis dahin verlaufen.

Auf der Suche nach einem neuen 2. Hund für uns, fiel die Wahl unserer damaligen Hündin auf Bandit. Ich kannte den Hund, wußte über seine Vorgeschichte bescheid, wußte es wird sehr, sehr schwer werden mit diesem Kerlchen. Wir bekamen ihn mit, obwohl wir ein kleines Kind hatten, obwohl wir damals nur eine Wohnung hatten und beide berufstätig waren. Man kannte uns und traute uns diesen Problemfall zu. Es war seine letzte Chance sich irgendwo noch einmal einzuleben, in eine Familie zu kommen, die es vielleicht schaffte, ihn noch hinzukriegen. Sicher waren wir uns damals nicht.

Sicher war nur, er hatte sich sofort und direkt an mich angeschlossen. Von der ersten Sekunde an war er mein Hund. Er blieb es 18 Jahre lang. Er hörte bei uns auf den Namen Rocky. Er machte es uns wirklich nicht leicht, machte viel Schaden, zerstörte viel, wollte überall und immer dabei sein. Er brachte uns am Anfang mehr als einmal an den Rand der Verzweiflung. Rocky begriff bis ins hohe Alter nicht, dass man manchmal im wohl temperierten Zuhause besser aufgehoben ist, als im Auto. Lieber fror er, als nur 5 Minuten allein zu bleiben. Lieber saß er stundenlang im Büro und schwitzte, als zuhause im Garten oder Wohnzimmer zu liegen. Rocky forderte von uns Unmengen an Geduld, Ruhe. Er bekam von uns die Erziehung die er brauchte, lernte Sitz, Platz, Fuß. Er lernte und spielte sehr gern. Über das Spiel konnten wir unendlich viel bei ihm erreichen. Rückschläge waren an der Tagesordnung, zwei Schritte vor, einer zurück. Wie oft wir plötzlich allein im Acker standen und er, vor was auch immer, auf der Flucht war, wissen wir nicht mehr. Wie oft ich ihn als zitterndes, völlig aufgelöstes Bündel, vor unserer Haustür aufgesammelt habe, weiß ich nicht mehr, aber es war sehr oft. Er hat niemals auch nur den Versuch gemacht zu wildern, vor ihm konnte herum springen was wollte, er guckte danach und blieb bei uns. Wasser hat er geliebt, er schwamm mit (s)einer Ente täglich im Bach. Mit der Zeit wurde er ruhiger, begann er auch wieder Kindern und Männern zu vertrauen, verlor er viele seiner Ängste. Nur die Angst vor der Zeitung ist ihm erhalten geblieben, ein Leben lang. Rocky fuhr leidenschaftlich gern Auto, weil er begriffen hatte, dann ist Frauchen immer bei ihm. Er war mit anderen Hunden ein umgänglicher, überaus freundlicher Hund. Im Alter war unser Rocky ein gelassener, sehr pflegeleichter Hund, der erst mit 18 Jahren endlich auch mal 1-2 Stunden allein zuhause blieb und diese Zeit dann friedlich verschlief. Er war nur selten krank, überstand mit 18 Jahren einen Vergiftungsversuch nur knapp, brauchte erst mit 19 Jahren zum ersten mal dauerhaft Medikamente für sein Herz.

Als er mit 21 Jahren starb, ging ein Stück Familie.
Das ist Rockys Geschichte.

Rocky im Sommer 2000

Rocky im Sommer 2001

Rocky mit Lana und Sammy

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© Silvia Gittelmann